Laborthese oder Zoonose. Ein Update in fünf Teilen (5)

Teil 5: Drei Studien zum Huanan-Markt
In verschiedenen Medien sind drei wichtige Studien zum Huanan-Markt vorgestellt worden. Alle drehen sich um die Zoonosethese. Eine Zusammenfassung mit Informationen aus Untersuchungen, Zeitungen, Radio, Twitter.
Abb. 1: Der Plan der Verkaufsstände im Huanan-Markt: Rote Punkte: Covid-19-Fälle; Rote Quadrate: Proben mit Coronavirus gefunden; Schwarze Quadrate: Stände mit lebenden Tieren. Abbildung aus der Gao-Studie.
Abb. 2: Verteilung der Fälle um den Huanan-Markt (orangefarbenes Quadrätchen) im Dezember 2019. Abbildung aus der Worobey-Studie.
Abb. 3: Verteilung der Fälle um den Huanan-Markt im Januar 2020. Abbildung aus der Worobey-Studie.

(Hier geht es zu den bisherigen Artikeln zur Laborthese in der Textvitrine sowie zu Teil 1 des Updates)

Proben vom Markt

Über den Ursprung einer Pandemie, die weltweit sechs Millionen Todesopfer gefordert hat, wollen Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit gerne über genaue Informationen verfügen, um künftige Krisen verhindern beziehungsweise erfolgreich begegnen zu können. Die Gesellschaft und insbesondere das Gesundheitswesen sollen besser vorbereitet sein. Unter Fachkräften wird die These der Übertragung des Virus von der Fledermaus über einen Zwischenwirt auf den Menschen breit unterstützt. Viel Forschungs-Aufmerksamkeit wird deshalb jenem Ort gewidmet, in dessen Umgebung im Dezember 2019 die ersten Fälle festgestellt wurden: Der Huanan-Markt in Wuhan.

Am 1. Januar 2020 schlossen die chinesischen Behörden den Markt, in dem auch lebende Wildtiere gehandelt wurden (was die chinesische Regierung zu Beginn noch negierte, da der Handel größtenteils illegal war). Man unterließ es jedoch, den Tieren Gewebeproben zu entnehmen. Das könnte sich als großes Versäumnis herausstellen, das vor allem die Zoonosetheoretikerinnen vor große Probleme stellt. Ihnen wurde das unerlässliche Untersuchungs-Material weggenommen. In den darauffolgenden Januartagen 2020 wurde der Markt desinfiziert. Immerhin konnten chinesische Forscher vorher noch Proben von Rückständen in den Käfigen und den Verkaufsboxen nehmen.

Bald einmal konnten Virologinnen herausfinden, dass sich in Wuhan zwei verschiedene Sars-CoV-2-Varianten ausgebreitet haben: die Linie A und die Linie B. Die Linie B, so war man ursprünglich der Meinung, sei aus der Linie A hervorgegangen. Die Varianten seien demzufolge zeitversetzt entstanden. Weitere Untersuchungen ergaben, dass die beiden Linien nicht direkt miteinander verwandt sind, sie unterscheiden sich aber nur an relativ wenigen Stellen. Im September 2021 ergaben Nachprüfungen der Befunde, dass »a preliminary analysis of viral genomes suggests the COVID-19 pandemic might have multiple animal origins.«(Nature). Der Virologe Robert Garry von der Tulane Universität sagt gegenüber Nature: »The finding could be the dagger into the heart of the hypothesis that SARS-CoV-2 escaped from a lab, rather than originating from the wildlife trade.« Die Übertragung auf den Menschen könnte also zweimal von zwei verschiedenen Tieren ausgehend erfolgt sein. Aus der fitteren Linie B ist später die Delta-Variante hervorgegangen.

Jetzt haben Wissenschaftler um George Gao der Chinese Academy of Sciences zusätzlich herausgefunden, dass sich beide Varianten in Gewebeproben des Marktes nachweisen lassen, sie also gleichzeitig zirkulierten. Das belegt die Ergebnisse, dass sich die Linie B vermutlich nicht im Menschen aus einem Virus der Linie A entwickelt hat, sondern in einem Zwischenwirt. Diese Bestätigung war ein erster herber Rückschlag für Labortheoretiker, würde dies doch bedeuten, dass es zwei Laborausbrüche mit zwei unterschiedlich manipulierten Viren hätte geben müssen, was doch eher unwahrscheinlich ist. Dass chinesische Wissenschaftlerinnen des CDCs Abstriche an Wänden, Fussböden, Abwasserleitungen, Käfigen, Maschinen zum Federnrupfen, Waschbecken, Tiefkühltruhen etc. gesammelt haben, war schon von Beginn an bekannt, jedoch wundert man sich, weshalb es zwei Jahre gedauert hat, bis die genaueren Analysen und die Resultate veröffentlicht worden sind. Aber immerhin ist jetzt bekannt geworden, wo Sars-CoV-2-Spuren gefunden wurden (man vergleiche die markierten Stellen auf Bild 1). Nicht gefunden wurden sie bei Straßenhunden, Streunerkatzen und Mäusen aus der Umgebung des Marktes. Chinas ursprüngliche Hoffnungen, in tiefgekühlten Importwaren das Virus zu identifizieren, zerschlugen sich bald. Auch das erste WHO-Team, das im Winter 2021 die näheren Umstände untersuchte, erachtete diese These als sehr unwahrscheinlich. Widerwillig oder vielleicht auch auf Druck von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wurde die Gao-Studie jüngst dennoch zugänglich gemacht.

Dies erweist sich als sehr hilfreich, kann doch mit fast detektivischem Gespür akribisch nachgezeichnet werden, wie sich das Virus in den ersten vier Monaten in der Stadt ausgebreitet hat. Unterlegt werden die Ergebnisse zudem mit Fotografien, die die Tiere und ihre Käfige zeigen.

Detektivarbeit

Zufälligerweise knipste auch der Co-Autor Eddie Holmes einer zweiten Studie vor ein paar Jahren Bilder derselben Käfige. Sie stimmen weitgehend mit den chinesischen Abzügen überein. In zwei weiteren Untersuchungen, an denen zahlreiche international renommierte Fachkräfte mitwirkten, konnten die Wege, die das Virus gegangen ist, sehr genau nachvollziehen. Die Übertragung der Linien A und B auf den Menschen haben bei zwei separaten Gelegenheiten stattgefunden. Aufgrund verschiedener Informationen (z.B. genaue Pläne der Verkaufsstände und wo jene Orte waren, an denen positive Proben genommen wurden; Daten von Social-Media-Aktivitäten etc.) stellt sich das Bild folgendermaßen dar: Im Dezember gab es 156 Fälle in unmittelbarer Nähe des Marktes. Je näher man den Hallen kommt, desto größer das Infektionsrisiko. Und die große Mehrheit der Covid-19-Patienten vom Markt selbst hatten Verbindungen zu jenen Bereichen, in denen lebende Tiere gehandelt wurden (wie oben schon erwähnt, siehe Bild 1). Dort wurden etwa Marderhunde, Füchse, Sikahirsche und Chinesische Bambusratten verkauft. Auch genau dort haben die chinesischen Forscher des CDCs am meisten Sars-CoV-2-Proben gefunden. Im näheren Umkreis der Markthallen bleibt das Risiko einer Ansteckung groß, auch wenn die betroffenen Menschen (123 der 156 Covid-Patienten) keinen direkten Bezug (z.B. als Händler oder Käuferin) zum Huanan-Markt gehabt haben (siehe Bild 2). Das heißt, das Virus breitete sich schon damals in der Gesamtbevölkerung aus.

Das WIV liegt auf der anderen Seite des Flusses Jangtse ungefähr zwölf Kilometer südöstlich des Huanan-Marktes. Erst im Januar 2020 erreichte der Ausbruch jene Region (siehe Bild 3). Der Leiter der beiden internationalen Studien Michael Worobey von der Universität Arizona in Tucson sagt in der NYT: »When you look at all of the evidence together, it’s an extraordinarly clear picture that the pandemic started at the Huanan Market.« Der Virologe Jeremy Kamil aus Louisiana sagt: »The beauty of it is how simply it all adds up now.« (NYT) Fügt jedoch auf dem Radiosender NPR hinzu: »The studies don’t exclude other hypotheses entirely.« Gemäß dem Virologen Friedemann Weber der Universität Gießen seien das starke Hinweise für eine Zoonose (NZZaS). Ebenso dass es mindestens zweimal zu einem Spillover gekommen sei. Das sei schon beim Sars-CoV-1 und beim HIV der Fall gewesen. Virologe Jesse Bloom (Bloom & Andersen ) vom Fred Hutchinson Cancer Research Center bleibt Methoden-kritisch: »I think what they are arguing could be true, but I don’t think the quality of the data is sufficient to say that any of these scenarios are true with confidence.« Zudem überzeugt ihn die These nicht, dass die Linien A und B zwangsläufig auf dem Markt auf den Menschen übergesprungen ist (NYT). In etlichen Twitter-Einträgen fordert er noch genauere Nachforschungen über die ersten Patienten beziehungsweise über den Patient Null. Bloom bekräftigt aber, dass er davon ausgeht, dass ein Fledermaus-Virus am Anfang steht: »Sars-Cov-2 is ultimately derived from a bat CoV, which I believe is clearly true…« (Twitter) Der Radiosender NPR folgert: »Neither of the papers provides the smoking gun – that is, an animal infected with the Sars-CoV-2 at a market.« Worobey merkt jedoch an, dass es theoretisch zahllose andere Plätze gebe, die als Ursprungsort in Frage kämen, aber es war halt Wuhan, wo »the first cluster of cases happens to be one of the four places that sells live animals, out of 10’000 places. If you’re not surprised by that, then I don’t think you’re understanding the unlikelihood that that presents.« (NPR)

Gefangen in der eigenen Argumentationslogik

Der auf Verschwörungserzählungen spezialisierte Kognitionspsychologe Stephan Lewandowsky von der Universität Bristol meint in einem beleuchtenden Artikel von Andreas Hirstein in der NZZaS, dass seien schlechte Nachrichten für die Laborthese. Lewandowsky sagt: »Verschwörungstheorien funktionieren immer nach demselben Muster. Zunächst formulieren sie einen Verdacht, aus dem sie unmittelbar Schlussfolgerungen ziehen, ohne empirische Daten abzuwarten.« Solange keine empirischen Daten vorliegen, mag das aufgehen, da die These nicht widerlegt werden kann. Das Argumentationsmuster, dem das empirische Forschungsdesign folgt, wird dabei auf den Kopf gestellt, denn der Verdächtigte muss seine Unschuld beweisen. Hier würde das bedeuten: Das WIV muss den Nachweis erbringen, dass es das Virus weder hergestellt noch ausgesetzt hat.

Andreas Hirstein erwähnt den Hamburger Physiker Roland Wiesendanger. Auf Anfrage habe dieser gesagt, die drei neuen Studien seien noch nicht begutachtet worden und daher nicht sehr aussagekräftig. Notabene: Seine Untersuchung, die er ebenfalls als »Studie« bezeichnet, wurde noch gar nie begutachtet. Er sieht sie als für ein breites Publikum verfasst, sie muss also nicht den strengen wissenschaftlichen Standards genügen. Was sie auch nicht tut, wie beispielsweise sein Hinweis auf die Beobachtung des kürzlich verstorbenen Nobelpreisträgers Luc Montagnier bezeugt, der die Signatur des HIV im Sars-CoV-2 wiederentdeckt hat, also Sars-CoV-2 nichts Neues sei. Virologe Weber meint in der NZZaS dazu, dass die entsprechende Gensequenz so kurz ist, dass sie in vielen tausend anderen Genomen auch vorkomme, das beweise nichts. Wenn Wiesendanger sich von der Wissenschaftsgemeinde nicht ernst genommen fühlt, scheint das seine Gründe zu haben.

Weiter kritisiert der Physiker an der Studie, dass die Fälle, die vor November 2019 aufgetreten sind, nicht berücksichtigt werden. Epidemiologische Berechnungen gehen aber davon aus, dass frühestens Ende November eine festzustellende Übertragung erfolgt ist (bezüglich des Zeitpunkts gibt es unterschiedliche Meinungen Erste Fälle ). Worobey sagt auf NPR: »Our new genetic analysis tells us that this virus was not around for very long when the cases occured at the market. For example, the earliest known patient at the market had an onset of symptoms on Dec. 10, 2019. And we can estimate, that at that point in time, there were only about 10 people infected with the virus…« (Man muss noch die Inkubationszeit abziehen.)

Wiesendanger will die ersten Übertragungen etwas früher datiert sehen, da er den Septembertermin im Auge hat. Dann nämlich wurde die Genom-Datenbank des WIV vom Netz genommen (Laborthese), was ihn schließen lässt, das WIV habe was zu vertuschen. Wiesendangers Hinweis auf eine Studie, die gezeigt habe, dass Moderna schon drei Jahre vor der Pandemie einen bestimmten molekularen Abschnitt entdeckt und patentiert hatte, der im Sars-CoV-2 zu finden ist, entgegnet der Gießener Virologe Weber in der NZZaS mit dem Argument: »Die Sequenz war nur 12 Nukleotide lang. Wenn man sie in einer Gendatenbank mit 1012 Einträgen sucht, wie das die Forscher gemacht haben, erhält man immer einen Treffer.« Zudem mussten die Forscher die Genfolge noch sehr kreativ uminterpretieren, um diese Koinzidenz zu begründen. Die Virologen selbst gehen nicht so weit zu behaupten, damit die Laborthese bewiesen zu haben. Physiker Wiesendanger schon.

Zwischenkommentar: Hier zeigt sich ein fataler Mechanismus in verschwörungsmythischen Erzählungen: Wenn man unbedingt etwas bewiesen haben will, ignoriert man großzügig störende Faktoren beziehungsweise biegt diese zurecht und presst sie ins widerspruchsfreie Verschwörungsschema hinein. Diesen Mechanismus konnte schon Sherlock Holmes entlarven, er nannte diese Methode Vorwärtsdenken. Sie führt die Polizei stets auf die falsche Spur, zum falschen Täter, da immer auf das nächstliegende Argument, das den Anfangsverdacht erhärtet, geschielt wird. Dabei verliert man das Ganze aus dem Auge. Andere Indizien werden, falls sie stören, großzügig beiseite geschoben. Interessant ist, dass Wiesendanger sich auf das WIV als Quelle der Pandemie versteift. Dabei gäbe es in der Nähe des Huanan-Marktes ja noch das Labor des CDC, wo ebenfalls an Fledermaus-Viren geforscht wird. Aber wenn die Quelle dort liegt, fielen vermutlich viele andere »Beweise« durch die Maschen…

Die Windrichtung hat gedreht

Nach der Veröffentlichung dieser drei Untersuchungen bläst den Labortheoretikern ein steifer Wind ins Gesicht. Sie sagen, die Studien beweisen lediglich, dass der Markt ein Superspreader-Ereignis war, mehr nicht. Vermutlich habe ein im Labor Infizierter das Virus in den Markt getragen. Na ja.

Das Netz der Indizien, die eine Zoonoseerklärung belegen, wird aber immer dichter. Gleichwohl stockt der Informationsfluss aus China. Chinesische Wissenschaftlerinnen sagen, das Thema sei politisch heikel. Die Regierung kontrolliere und reguliere Forschungsberichte, schreibt Amy Maxmen in Nature News. Zudem seien etliche Zuchtfarmen, aus denen Tiere an den Huanan-Markt gelangten, von den Behörden geschlossen worden, berichtet Peter Daszak, der in Südchina Feldforschung in Tierfarmen betreiben wollte. Dennoch untermauern neuere Feldstudien die Wahrscheinlichkeit der Zoonosetheorie. In Coronaviren in Fledermäusen aus Laos sind sehr nahe Verwandte von Sars-CoV-2 nachgewiesen worden. Bei allen fehlen aber die charakteristischen Eigenschaften der Furin-Spaltstelle. Hier brauchte es aber nur wenige Mutationen, um diese zu bilden. Und wie schon Christian Drosten gesagt hat, können solche Veränderungen sehr schnell passieren (Drostens Antwort). Übrigens können Fledermäuse von zwei verschiedenen Coronaviren infiziert werden. Zuweilen kommt es bei der Vermehrung der Viren zum Austausch von Gensequenzen.

Zum Schluss kommt noch einmal Worobey zu Wort: »The analyses that we’ve done are telling a very strong story. The evidence is amongst the best we have for any emerging virus.«

Quellen: Nature, 16. September 2021; zenodo, Prepint der Worobey-Studie, 26. Februar 2022; New York Times, 27. Februar 2022; NPR, 3. März 2022; NZZ, 5. März 2022; NZZaS, 6. März 2022; Nature News, 17. März 2022; Twitter, 22.11.2021, einzelne Beiträge aus der textvitrine.ch (kleine Aktualisierung am 18. März 2022)

 

Hier geht’s zurück zu:

Teil 1, Die Labortheorie

Teil 2, Drostens Antwort

Teil 3, Besuch bei Shi Zhengli

Teil 4, Die Furin-Spaltstelle

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Virus

Der Pandemieplan Schweiz, in der aktuellen Fassung der Influenza-Pandemieplan Schweiz 2018, ist ein Planungsinstrument, das Strategien und Massnahmen zur Vorbereitung der Schweiz auf eine (Influenza-)Pandemie dokumentiert. Er wird von der Eidgenössischen Kommission für Pandemievorbereitung und -bewältigung (EKP) und dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) herausgegeben.

Der erste Pandemieplan für die Schweiz wurde von einer Arbeitsgruppe unter Leitung von Robert Steffen ausgearbeitet. Die Vorarbeiten wurden 1995 begonnen; der erste schweizerische Influenza-Pandemieplan wurde im Jahr 2004 veröffentlicht. Ein zentrales Anliegen sei laut Steffen dabei gewesen, dem Bund die Führung zu überlassen.

Nach den Erfahrungen in der Bewältigung der Influenza-Pandemie 2009 wurde der Schweizer Pandemieplan vollständig revidiert.

Kristian G. Andersen et al, The proximal origin of SARS-CoV-2, 

(abgerufen am 2.5.2020)

In einer Lancet-Studie um Chaolin Huang, publiziert am 15. Februar 2020, wird aufgrund von Patientenprotokollen und Labortests der erste Fall auf den 1. Dezember 2019 datiert. Eine andere Science-Studie, publiziert am 18. März 2021, um Jonathan Pekar und Michael Worobey selbst spricht von einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung, die bereits Ende Oktober/Anfang November 2019 hätte stattfinden können.

In einem Vanity Fair-Artikel (22.3.2022) von Katherine Eban (der sonst vor allem labortheoretische Argumente zusammenfasst), wird eine Episode geschildert, in der Jesse Bloom und der Co-Autor der Worobey-Studie Kristian Andersen heftig aneinander geraten sind: Bloom hat herausgefunden, dass etliche sehr frühe Sars-CoV-2-Gensequenzen, die chinesische Wissenschaftler veröffentlicht hatten und die dem NIH zur Verfügung gestellt wurden, plötzlich, kommentarlos und »im Geheimen« wieder verschwunden sind, auch beim NIH waren die Sequenzen nicht mehr einsehbar. Bloom befürchtet, dass die chinesische Regierung etwas vertuschen wollte – und die NIH dabei mitmacht. Hierzu reichte er am 18.6.2021 eine Preprint-Studie bei bioRxiv ein. Gleichzeitig wies er NIH-Direktor Francis Collins und NIAID-Chef Anthony Fauci auf seine Erkenntnisse hin. Collins lud Bloom und Fauci zu einer Telefonkonferenz am 20.6.2021 ein, beide konnten noch je zwei Sekundanten beiziehen. Fauci berief Kristian Andersen ein. Es gab ein heftiges Wortgefecht zwischen Bloom und Andersen. Andersen, der das Preprint-Paper schon gesehen hat, schlug Bloom vor, die Studie entweder zurückzuziehen oder zumindest zu revidieren. Es sei wissenschaftlich unethisch, Datensätze zu analysieren, die das NIH nicht freigegeben hat, sagte Andersen. Bloom weigerte sich, auf Andersens Vorschläge einzugehen. Collins und Fauci sahen sich dazu veranlasst, gegenüber Bloom klarzustellen, dass sie »never suggested you to delete or revise the pre-print.« Bloom und Andersen waren sich hinterher auch nicht einig darüber, was an der Zoom-Sitzung alles gesagt wurde. Insofern gibt es arge klimatische Störungen zwischen den beiden Virologen. Bloom hat keine Antwort erhalten, weshalb die Sequenzen nicht mehr verfügbar sind. Blooms Studie wurde am 22.6.2021 publiziert, eine Woche später noch angepasst. Auch auf Grund dessen, dass er die Datenlage als ungenügend und mangelhaft erachtet, weil eben gewisse Informationen aus der frühen Phase der Pandemie verschwunden sind, beurteilt er die Worobey-Studie sehr kritisch.