Doktor Victor Frankenstein, Sherlock Holmes und die Laborthese

Neues zur Laborthese, Teil 1
Woher kommt das Virus? Doch aus dem Labor? Die wievielte Folge? Sicher nicht die letzte.
Beim Kaffeetrinken vom Schwein übertragen?

Auf dieser Seite wurde schon wiederholt auf die Frage eingegangen, wie das Virus den Weg zum Menschen gefunden hat. In den Zoonose-, den Herkunft-, den Hufeisennasen- und China-WHO-Joint-Team-Texten wurden – jeweils auf dem entsprechenden Stand der Forschung – die verschiedenen zur Debatte stehenden Antworten vorgestellt (Vgl. Herkunft des Virus, HufeisennaseWHO-Team, Zoonose I und Zoonose II). Der Virologe Fabian Leendertz, der zur WHO-Experten-Gruppe gehört, selbst aber nicht mit seinen Kolleginnen nach Wuhan gereist ist, stellt lapidar fest: »Der Ursprung ist da, wo er ist.« Nur: zu diesem Ursprung zu gelangen, ist alles andere als lapidar. Bis jetzt fehlen die wasserdichten Beweise, die uns die Art und Weise belegen könnten, wie das Virus auf den Menschen übertragen worden ist.

Auch die China-WHO-Mission konnte bis jetzt keine schlüssige Antwort liefern, was nicht weiter erstaunt. Den Experten wurden von verschiedenen Seiten verschiedene Steine vor die Nasen gelegt. Meist politischer Natur. Und wenn die Politik in der Forschung mitmischt, wird es erfahrungsgemäß äußerst schwierig, einer wissenschaftlichen Wahrheit nahe zu kommen.

Geopolitisch geht es um einen Machtkampf zwischen China und den USA. In diesem Fall wird das Spiel auf dem Feld der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgetragen. Und wie immer in Disputen zweier Weltmächte geht es um Einfluss, Finanzen, Abhängigkeiten und Deutungshoheit.

Kurz zusammengefasst missfällt den Vereinigten Staaten und anderen westlichen Ländern, dass China den Zugang zu den nötigen Unterlagen und Daten (z.B. Patientendaten), die der Wahrheitsfindung dienen könnten, nicht komplett freigibt, Informationen zurückhält oder unterdrückt und missliebige Kritiker verstummen lässt. Und dass sich die WHO zu nachgiebig gegenüber der chinesischen Regierung zeigt. Die USA unter der Administration Trump forderte diese unglückliche Situation allerdings teilweise selbst heraus, indem sie sich aus der WHO ausgeklinkt hat. Sie hat sich gewissermaßen aus dem Spiel genommen. Erst seit der Präsidentschaft Biden tut die USA in den WHO-Gremien wieder mit. Aber auch die neue Administration stellt Forderungen. Die Weltgesundheitsorganisation hat sich tatsächlich gegenüber China milde gegeben, damit man wenigstens ein Stück weit mit dem Reich der Mitte kooperieren konnte. Beispielhaft kann dies am Feilschen um die Zusammensetzung der Expertinnengruppe zu Beginn des Jahres 2021 gezeigt werden: Die WHO lehnte drei (noch) von der Administration Trump vorgeschlagene US-Experten ab, ernannte dafür den US-amerikanischen Zoologen und Infektionsepidemiologen Peter Daszak. Diese Wahl ist delikat, forschte doch der fachlich zweifellos bestens ausgewiesene Daszak vermehrt mit der chinesischen Bat-Woman Shi Zhengli vom Wuhan Institute of Virology (WIV). Deren Wirkungsstätte steht jedoch in der Laborthese im Brennpunkt der Untersuchung. Unbefangenheit sieht anders aus.

Zudem bestand China darauf, eine gleichberechtigte chinesische Delegation den WHO-Experten zur Seite zu stellen. So besuchten nicht nur die 14 WHO-Wissenschaftlerinnen (die Gruppe umfasst 17 Mitgliedern, drei waren nicht in Wuhan anwesend), sondern noch zusätzlich 17 chinesische Fachkräfte die verschiedenen Stationen und Institutionen. Auch in der Auswahl der Orte war das WHO-Team nicht frei. Gewisse Krankenhäuser konnten nicht besichtigt werden. Offenbar ist es laut Medienberichten (z.B. in der FAZ vom 13. April 2021) während der Reise zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der internationalen und chinesischen Delegation gekommen. Alles in allem steht diese Untersuchung, die eigentlich unabhängig sein sollte, unter keinem guten Stern.

So überrascht das Ergebnis nicht (Die Forschungsreise des China-WHO-Joint Teams). Zur Erinnerung: die Zoonosethese bleibt die wahrscheinlichste Erklärung. In der Argumentationskette fehlen allerdings der Ursprungs- und der Zwischenwirt, zwei zentrale Elemente der Theorie. Bis diese Puzzleteile gefunden sein werden, kann es noch eine Weile gehen. Eine direkte Ansteckung vom Ursprungswirt auf den Menschen wird als eher unwahrscheinlich angesehen. Auf Druck Chinas wird offiziell die Übertragung aufgrund von importierten und Virus-kontaminierten Tiefkühlprodukten nicht gänzlich von der Liste gestrichen. Die Beweislage ist allerdings äußerst dürftig, China will den Ursprung aber ins Ausland verlagert sehen. Schließlich wird die Laborthese von den Wissenschaftlern als die unwahrscheinlichste Variante eingestuft. Der kleinste gemeinsame Nenner ist gefunden. Soweit so gut, meint man.

Die vorliegenden und vorläufigen Ergebnisse sind für manche Beobachter jedoch bescheiden und nicht sehr aussagekräftig. Etwas Neues hat sich offenbar nicht ergeben. Aber: Die Analysen und Untersuchungen sind nicht abgeschlossen. Es dürfte noch eine Zeitlang dauern, bis belastbare Daten vorgelegt werden können. Ob unter der Flagge der WHO oder nicht bleibe dahingestellt. Einmal mehr wird in dieser Pandemie die Geduld auf die Probe gestellt.

Am 13. April 2021 hat der WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus ein bemerkenswertes Statement abgegeben: »Es wurden Fragen aufgeworfen, ob manche Hypothesen verworfen worden sind. Nachdem ich mit manchen Mitgliedern des Teams gesprochen habe, möchte ich bestätigen, dass alle Hypothesen weiter bestehen und weitere Analysen und Studien erfordern.« Damit widerspricht er der Aussage des Leiters der wissenschaftlichen Gruppe Peter Ben Embarek, der gesagt hatte, dass die Laborthese nicht weiterverfolgt würde. Das ist deshalb auch bemerkenswert, weil Tedros damit die chinesischen Bemühungen, die Laborthese zu entkräften, unterläuft.

Tedros Hinweis auf die Nicht-Streichung der Laborausbruchs von der Liste hat zu einer Renaissance jener These geführt. In der NZZ vom 17. April und in der SZ vom 17./18. April kommt man bei der Beurteilung der Laborthese auf unterschiedliche Bewertungen.

Marcel Gyr in der NZZ betont tendenziell eher jene Aspekte der Spurensuche, die eine Laborthese stützen könnten. Die vier Autorinnen von der SZ (Lea Deuber, Felix Hütten, Georg Mascolo, Martin Wittmann) gelangen zum gegenteiligen Schluss. Gyr ist sich bewusst, dass er den rauchenden Colt nicht auf den Tisch legen kann, es sei denn… aber dazu später. Kurz zusammengefasst spielen in der Laborthese folgende Punkte die Hauptrolle:

Erstens ist es auffällig, dass sich das Virus just in Wuhan, der Heimat des Wuhan Institute of Virology (WIV) und Shi Zhenglis Labor, zum ersten Mal gezeigt und so stark ausgebreitet hat. Bisher hat Shi in ihren Forschungsgängen zu den Stätten der Fledertiere, in denen sie das SARS-CoV gefunden hat, weite Wege gehen müssen. Die Kavernen mit den von ihr untersuchten Chinesischen Hufeisennasen liegen über 1500 Kilometer weit entfernt. Sie hat zahlreiche Gewebeproben aus unterschiedlichen Regionen Chinas nach Wuhan gebracht. Und plötzlich liegt das Problem vor dem eigenen Labor des WIV, das über das höchste Sicherheitslabel verfügt.

Zweitens betreibt das WIV sogenannte gain-of-function-Untersuchungen (ACHTUNG! Nicht bestätigte Aussage ). Es werden dabei aus verschiedenen Viren Hybride zusammengesetzt, gewissermaßen künstliche Viren gebastelt. Damit erhofft man sich, vertiefte Kenntnisse über die Wirkungsweise von Erregern zu gewinnen, die ihrerseits die Grundlagen bilden für die Entwicklung neuer Medikamente und von Präventionsmaßnahmen. Die gain-of-function-Forschung ist umstritten, da sie gefährlich ist und kleinste Fehler oder Unachtsamkeiten zu Infektionen führen können. Die US-Administration unter Obama hat die finanzielle Unterstützung für diese Forschung gestoppt. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es von der Logik her betrachtet eine Parallele zwischen den gain-of-function-Experimenten zu Doktor Frankensteins Kreation eines künstlichen Menschen – letztlich ein Monster – gibt.

»Eine der philosophischen Hauptfragen, die diskutiert wurden, war die nach dem Ursprung des Lebens. Und ob es je möglich sei, ihm auf den Grund zu kommen. Man besprach die Experimente Darwins. Es handelt sich für mich nicht darum, dass der Gelehrte diese Experimente wirklich vornahm, sondern um das, was darüber gesprochen wurde. Darwin hatte in einer Glasdose ein Stückchen Maccaroni aufbewahrt, das dann aus irgendwelchen Ursachen willkürliche Bewegungen zu machen schien. Jedenfalls glaubte ich nicht, dass auf diesem Wege Leben erzeugt werden könne. Aber vielleicht wäre es möglich, einen Leichnam wieder zu beleben… oder die Bestandteile eines Lebewesens zusammenzuführen und ihm lebendigen Odem einzuhauchen.« Doktor Victor Frankenstein macht sich an die Arbeit und sammelt – etwa aus Gräbern, Beinhäusern, Seziersälen und Schlächterwerkstätten – Bestandteile von Lebewesen, aus denen er einen menschenähnlichen Körper zusammenbaut. »Es war eine trostlose Novembernacht, als ich mein Werk fertig vor mir liegen sah. Mit einer Erregung, die fast einer Todesangst glich, machte ich mich daran, dem leblosen Dinge den lebendigen Odem einzublasen. Es war schon ein Uhr morgens. Der Regen klatschte heftig an die Fensterscheiben, als ich beim Scheine meiner fast abgebrannten Kerze das trübe Auge der Kreatur sich öffnen sah. Ein tiefer Atemzug dehnte die Brust und die Glieder zuckten krampfhaft.« Ref.

Der Unterschied liegt hierin, dass Shi Zhengli Viren manipuliert, Frankenstein einen Menschen erschafft. Viren sind keine eigentlichen Lebewesen, da sie sich weder selber fortpflanzen können und noch über einen Stoffwechsel verfügen. Sie bedürfen eines Wirts, um fortzubestehen. Man nennt sie deshalb auch Strukturen. Victor Frankenstein forschte über das Leben. Seine Kreation konnte aus dem Labor flüchten und in die freie Wildbahn gelangen. Das war also tatsächlich ein Laborausbruch. Weil der zusammengefügten Kreatur von den Menschen nur Abscheu entgegenschlägt, beginnt er sein Unwesen zu treiben. Mit dem Ziel, sich an seinem Schöpfer zu rächen.

Shi war beunruhigt, als sie vernahm, dass ein SARS-ähnliches Virus in Wuhan zu Infektionen führe. Sie sagte in einem science-Interview Ref. , sie habe umgehend alle Proben in ihrem Labor hinsichtlich SARS überprüft und keine Hinweise gefunden, die den Verdacht hätten erhärten können, dass das Virus aus ihrem Institut entwichen ist.

Drittens: Am 3. Februar 2020 schreibt Shi Zhengli in nature Ref. über ihre Untersuchung am neuen SARS-CoV-2. Die Virologin erwähnt, dass ein anderes Virus aus ihrer Sammlung, das sie RaTG13 nennt, zu über 96 Prozent mit dem SARS-CoV-2 übereinstimmt und somit der nächste bekannte Verwandte ist. 96 Prozent klingt nach viel, dazwischen liegt aber eine Entwicklungsphase von 20 bis 70 Jahren, die meisten Wissenschaftlerinnen sprechen von 40 Jahren. Das heißt, dass sich die Entwicklung des Virus RaTG13 vor etwa 40 Jahren von jener des SARS-CoV-2 getrennt hat, also diese 4 Prozent Differenz in dieser Zeitspanne entstanden ist. Am 17. November 2020 legt Shi nach Ref. und erläutert, wo sie RaTG13 gefunden hat.

2012 mussten mehrere Arbeiter eine stillgelegte Kupfermine bei Mojiang in der Region Yunnan reinigen. Die Mine liegt in der gleichen Region wie jene Höhlen, in denen Shi einst die SARS-CoV-infizierten Chinesischen Hufeisennasen gefunden hat. Die Minengänge und die Eingangspforten waren mit Fledertierkot und sonstigen Ausscheidungen zugemüllt. Die Reinigungsequipe geriet unweigerlich in Kontakt mit den Ausscheidungssekreten. In der Folge erkrankten sechs Männer an einer unbekannten Lungeninfektion – drei von ihnen tödlich. Die Symptome ähnelten jenen einer SARS-CoV-2-Erkrankung. Shi erhielt 2013 von der Klinik in Kunming den Auftrag, Gewebeproben aus den Minengängen zu sichern und zu untersuchen. Aber erst sieben Jahre später, eben am 17. November 2020, schreibt Shi Zhengli darüber. Sie habe zwischen 2013 und 2015 fast 300 Proben von unterschiedlichen Coronaviren aus der stillgelegten Mine sequenziert. Neun davon waren Betacoronaviren eines SARS-Typus, eines davon das RaTG13, das von einer Java-Hufeisennase stammt. Shi ist zudem der Ansicht, dass die Erkrankungen nicht auf das neu entdeckte RaTG13 zurückzuführen sei. Die Minenarbeiter seien von einem anderen Erreger befallen worden. Kristian Andersen unterstützt diese Aussage indirekt mit seiner Feststellung, dass das Spikeprotein des RaTG13 sich nicht sehr gut an menschliche Enzyme bindet. Im Januar 2020 wurden die Blutproben der Minenreiniger am WIV erneut untersucht, es wurde keine SARS-CoV-2 gefunden.

Viertens liegt in Wuhan das Chinese Center for Disease Control and Prevention (CDC) nur einen Steinwurf entfernt vom Huanan Seafood Market, auf dem besonders viele Coronafälle festgestellt wurden. Im CDC existiert ein weiteres Labor, in dem zu Coronaviren geforscht wird. Das Sicherheitslevel liegt zwei Stufen tiefer als jenes des WIV. Ob es im CDC zur fraglichen Zeit einen Vorfall gegeben hat, ist nicht bekannt.

Die bisher aufgezählten vier Punkte stellen keine Beweise für eine Laborthese dar. Allenfalls können sie als merkwürdige Zufälle oder wissenschaftliche Ungereimtheiten, Versäumnisse und Nachlässigkeiten bezeichnet werden. Das gehört allerdings zum üblichen Forschungsprozess. Peter Ben Embarek sagt am 14. Februar 2021 im Science-Mag: »Ja, Laborunfälle passieren auf der ganzen Welt; sie haben sich in der Vergangenheit ereignet. Die Tatsache, dass sich mehrere relevante Labore in und um Wuhan befinden, die mit Coronaviren arbeiten, ist eine weitere Tatsache. Darüber hinaus hatten wir nicht viel, um diese Hypothese als eine wahrscheinliche Option zu betrachten… Wir hatten lange Gespräche mit den Mitarbeitern des Wuhan-Instituts für Virologie und drei weiteren Labors in Wuhan. Sie sprachen offen über diese Behauptungen. Wir haben diskutiert: Was haben Sie im letzten Jahr getan, um diese Behauptung zu widerlegen? Was haben Sie selbst an Argumentationen entwickelt? Haben Sie selbst Audits durchgeführt? Haben Sie sich Ihre Unterlagen angeschaut? Haben Sie Ihre Mitarbeiter geprüft? Und sie erklärten, wie sie arbeiteten und welche Art von Auditsystem sie hatten. Sie hatten rückwirkend das Serum ihrer Mitarbeiter getestet… Es gab eine Menge Diskussionen, die wir nicht hätten führen können, wenn wir nicht nach Wuhan gereist wären… Was wir gesehen und diskutiert haben, gab uns viel mehr Vertrauen in unsere Einschätzung. Der Konsens war, dass dies ein unwahrscheinliches Szenario ist.« Ref. Sollte die Laborthese weiter verfolgt werden, so sagt Embarek, müsse dies unter anderen Vorzeichen geschehen, denn »das wäre nicht etwas, das dieses Team oder, wie ich glaube, sogar die WHO allein vorantreiben könnte. Das müsste, glaube ich, ein UN-weiter Ansatz in Absprache mit den Mitgliedsstaaten sein, wenn das etwas wäre, das die internationale Gemeinschaft vorantreiben möchte.«

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Virus

Mary Shelley, Frankenstein: Oder der moderne Prometheus. Die Urfassung von 1818, Übersetzung Alexander Pechmann, München 2017

Der Pandemieplan Schweiz, in der aktuellen Fassung der Influenza-Pandemieplan Schweiz 2018, ist ein Planungsinstrument, das Strategien und Massnahmen zur Vorbereitung der Schweiz auf eine (Influenza-)Pandemie dokumentiert. Er wird von der Eidgenössischen Kommission für Pandemievorbereitung und -bewältigung (EKP) und dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) herausgegeben.

Der erste Pandemieplan für die Schweiz wurde von einer Arbeitsgruppe unter Leitung von Robert Steffen ausgearbeitet. Die Vorarbeiten wurden 1995 begonnen; der erste schweizerische Influenza-Pandemieplan wurde im Jahr 2004 veröffentlicht. Ein zentrales Anliegen sei laut Steffen dabei gewesen, dem Bund die Führung zu überlassen.

Nach den Erfahrungen in der Bewältigung der Influenza-Pandemie 2009 wurde der Schweizer Pandemieplan vollständig revidiert.

Kristian G. Andersen et al, The proximal origin of SARS-CoV-2, 

(abgerufen am 2.5.2020)

Das ist ein klassisches Beispiel dafür, wie aus Unkenntnis über die virologischen Zusammenhänge falsche Aussagen entstehen können. Bei einer nachträglichen Prüfung im Juni konnte diese Behauptung, die auch in DRASTIC-Kreisen verbreitet ist, nicht bestätigt werden. Nicht bei allen Manipulationen an Viren handelt es sich um einen gain-of-function-Eingriff. Auch Shi Zhengli sagt, am WIV finde keine Forschung statt, die die Gefährlichkeit eines Virus erhöhe. Und Christian Drosten meint im NDR-Podcast Nr. 92, dass im WIV die Voraussetzungen für gain-of-function-Forschung eher nicht gegeben seien. Immerhin sei es aber nur Shi gelungen, Coronaviren zu isolieren.

Mary Shelley, Frankenstein: Oder der moderne Prometheus. Die Urfassung von 1818, Übersetzung Alexander Pechmann, München 2017